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Special: Gelbe Kaiserbuntbarsche
Gelbe Kaiserbuntbarsche
Gelbe Kaiserbuntbarsche zählen sicher zu den auffälligsten und schönsten Bewohnern des Malawisees. Im See findet man mehrere Populationen. Ob es sich dabei um ein und dieselbe Art handelt...



...kann an dieser Stelle leider nicht geklärt werden. Es soll jedoch versucht werden, einen Überblick über die bekannten Populationen und deren Bezeichnungen zu geben.
Die erste wissenschaftliche Beschreibung einer Population gelb gefärbter Aulonocara fand 1985 durch Meyer & Riehl statt. Die Tiere (Holotypus + 15 Paratypen) wurden von Stuart Grant am 30.03.1983 bei Nkhomo, etwa 8 km von der Stadt Benga entfernt, gefunden. Diese Exemplare werden im Frankfurter Senckenberg Museum (SMF 20041) aufbewahrt. Meyer & Riehl entschieden sich für den Namen Aulonocara baenschi, der Artname wurde zu Ehren von Dr. Ulrich Baensch, dem Gründer der Tetrawerke und Pionier auf dem Gebiet der Zierfischfutterentwicklung, gewählt.
In einer Revision stellten Meyer et al. 1987 fest, dass die beiden Populationen von Maleri und Chipoka als artgleich mit A. baenschi einzustufen sind, weil es keine konstanten morphologischen und farblichen Unterschiede gibt. Und dies ist auch heute noch Stand der Nomenklatur: es gibt - wissenschaftlich anerkannt - genau eine gelbe Kaiserbuntbarsch-Art im Malawisee: Aulonocara baenschi.
Diesen Standpunkt vertritt auch Dr. Andreas Spreinat, bekannter Buchautor und Malawisee-Spezialist.

Aulonocara baenschi (Ad Konings)
Aulonocara baenschi, fotografiert bei Nkhomo - bemerkenswert die abgerundete Stirnlinie
(Copyright ©: Ad Konings, mit freundlicher und ausdrücklicher Genehmigung)


Unbestritten dürfte sein, dass gelbe Kaiserbuntbarsche in mindestens 3 Populationen im See auftreten, welche zwischenzeitlich auch allesamt exportiert wurden. Nach obiger Nomenklatur sind dies:
1) Aulonocara baenschi "benga" (exportiert als Aulonocara "Yellow Benga")
2) Aulonocara baenschi "maleri" (exportiert als Aulonocara "Maleri", "Yellow Regal Peacock")
3) Aulonocara baenschi "chipoka" (exportiert als Aulonocara "Yellow Regal Chipoka", "Sunshine Peacock" oder "Orange Peacock")

Einig scheinen sich die Fachleute (Spreinat und Konings) auch, dass die unterschiedlichen Charakteristika der Wildfänge nach wenigen Generationen in Gefangenschaft mehr und mehr verschwinden. Nach Spreinat könnten unterschiedliche Umweltbedingungen an den verschiedenen Standorten Ursache für diese Unterschiede sein (Beispiel: Schlankheit der Benga-Population durch Nahrungsknappheit).

Populationen gelber Kaiserbuntbarsche im Malawisee
Populationen gelber Kaiserbuntbarsche im Malawisee
(Copyright ©: Andreas Werth)


Ad Konings, meistgelesener Fachbuchautor zum Thema Malawiseecichliden, sieht hingegen in der Maleri- und Chipoka-Population eine eigenständige Art, welche Aulonocara stuartgranti näher steht als der Benga-Population von Aulonocara baenschi.
Er bezeichnet diese Tiere als Aulonocara sp. "Stuartgranti Maleri" und begründet seine Entscheidung wie folgt (Übersetzung einer persönlichen Mitteilung):

"Der gelbe A. sp. "Stuartgranti Maleri" kommt in mehreren Gegenden im Süden vor, aber in allen diesen Gegenden (Maleri, Nakantenga, Chidunga, Rocks, Namalenje, Mumbo) ist die Morphologie der Arten identisch. Nur der A. baenschi im Nkohomo Reef sieht anders aus (rundliches Maul). Ohne Zweifel sind beide Arten [A. baenschi und A. sp. "Stuartgranti Maleri"] eng miteinander verwandt, aber da der Mbenji Kaiserbarsch vom selben Vorfahren wie der A.baenschi abstammen muss (Nkhomo Reef) glaube ich, dass diese beiden (Mbenji und Nkhomo) auf derselben Stufe der Artenentstehung stehen, während der Fisch aus Maleri den Vorfahren von allen diesen Arten näher ist. Wenn die Mbenji Art gelb und den anderen beiden ähnlich wäre (das bedeutet, keine dicken Streifen bei Weibchen und Jungtieren) hätte ich sie alle als eine einzige Art betrachtet, aber nun sind schließlich drei Arten hervorgebracht worden. Den A.baenschi findet man in einem anderen Lebensraum als die anderen stuartgranti Arten und das könnte dazu geführt haben, dass sie anders aussehen als die anderen..."

Nach Konings Definition kommt Aulonocara baenschi also nur bei Nkhomo vor (=Benga-Population)!

Aulonocara sp. "stuartgranti maleri"
Unterwasseraufnahme von Aulonocara sp. "stuartgranti maleri" bei Nakantenga Island in der Nähe der Maleri Inseln an der Südwestküste des Malawisees. Auffällig ist die gerade Stirnlinie und die spitze Schnauze.
(Copyright ©: Larry Johnson, Homepage, Verwendung mit freundlicher und ausdrücklicher Genehmigung.)


Aulonocara sp. stuartgranti maleri
Aulonocara sp. "stuartgranti maleri" bei Maleri
(Copyright ©: Ad Konings, mit freundlicher und ausdrücklicher Genehmigung)


Aulonocara sp. stuartgranti maleri
Aulonocara sp. "stuartgranti maleri" bei Chidunga
(Copyright ©: Ad Konings, mit freundlicher und ausdrücklicher Genehmigung)


Hier noch einmal zusammengefasst:
Die unterschiedlichen Merkmale der gelben Wildformen nach Ad Konings:

1) Aulonocara baenschi (Benga-Population):rundliche Schnauze; kräftigere gelbe Farbe; das Muster auf dem Schwanz besteht häufig aus blauen länglichen Flecken, lange Streifen sind viel seltener
2) Aulonocara sp. "Stuartgranti Maleri" (bzw. Maleri- und Chipoka-Population):spitze Schnauze bzw. gerade Stirnlinie; das Gelb ist von vielen bläulichen Zeichnungen durchzogen; lange blaue Streifen im Schwanz der Maleri Spezies, erstrecken sich häufig über die gesamte Länge der Schwanzflosse; die Chipoka-Population hat einen größeren Blauanteil und die Grundfärbung ist eher orange als gelb

Literatur und Quellen
1. Meyer, M.K., and R. Riehl. 1985. Aulonocara baenschi n.sp. und Aulonocara stuartgranti n.sp., zwei neue Taxa aus der Familie Cichlidae vom Malawi-See (Pisces, Perciformes, Cichlidae). Aquarien Atlas 2 (1): 836-846
2. Andreas Spreinat: Aulonocara baenschi - Aquarienpraxis Ausgabe 04/2002
3. Ad Konings: persönliche Mitteilung
4. http://www.malawicichlids.com: http://malawicichlids.com/mw08006b.htm

Uhrzeit: 20:53:00 Datum: 19.03.2003 von andreas - Kategorie: Lounge


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